Marzahn-Hellersdorf war einst eine Hochburg der Neonazis, doch die Situation hat sich geändert. Zwar leben immer noch viele Neonazis in Marzahn-Hellersdorf, jedoch zeigt sich dies nicht mehr so deutlich in den Wahlergebnisse der NPD (2009: 3%), der Anzahl von Straftaten und auch im Straßenbild sind Neonazis weniger zu erkennen. Doch daraus der Schluss zu ziehen, dass es in Marzahn-Hellersdorf nicht sehr viele rechtsoffene Menschen und Neonazis gibt, wäre falsch.
Dass Neonazis im Straßenbild nicht mehr so leicht zu erkennen sind liegt an der Veränderung ihrer Aufmachung. Der 90er Jahre Springerstiefel-Glatze-Look ist längst überholt vom modisch angepassten Thor-Steinar-Outfit bis zu einem rebellisch, alternativen Style. Mittlerweile müssen selbst geschulte Antifaschist_innen häufig sehr genau hinsehen, um Neonazis aufgrund ihrer äußeren Aufmachung als solche auszumachen.
Das schlechte Abschneiden NPD hat auch Gründe, die sich nicht an der Anzahl der Neonazis im Bezirk festmachen lässt. Bis Ende 2008 war die NPD noch stark im Bezirk vertreten, doch durch interne Konflikte gelang es ihr, sich so sehr zu schwächen, dass sie nun kaum noch handlungsfähig ist. Inwieweit es der seit dem 18.08.2010 durch ein Büro im Bezirk vertretenen rechtspopulistischen Partei Pro Deutschland gelingen wird, an den weit verbreitenden Alltagsrassismus der Menschen anknüpfen zu können, wird sich erst noch zeigen.
Neben den rechten Parteien gibt es auch noch eine Kameradschaftsszene in Marzahn-Hellersdorf. Auch diese ist nicht mehr so aktiv wie früher. Sie beschränkt sich auf einige Aktivisten und lose Gruppierungen, die meist nur im Zusammenhang mit überregionalen Neonazi-Events aktiv werden. Wie zum Beispiel zur Mobilisierung ihrer Demonstration am ersten Mai oder mit Sprühereien zum Rudolph-Hess Gedenken. Ansonsten beschränken sich ihre Aktivitäten auf das Ausspähen linker Veranstaltungen wie zum Bildungsstreik an der ASH im Juni 2009 oder „Anti-Antifa-Arbeit“, zum Beispiel durch konkrete Drohungen und kleinere Anschläge oder das Abfotografieren der Besucher bei der Einweihung vom Kurt-Julius-Goldstein-Park in Hellersdorf im April 2010. Öffentlich wirksamere Aktionen als Schmierereien, Flugblattaktionen oder Stickern haben sie seit 2008, wo 300 Neonazis ungehindert durch Marzahn-Hellersdorf marschieren konnten, jedoch nicht hinbekommen.
Trotz des miesen Organisationsgrads der Neonazis, zeigt sich gerade am Beispiel des Aufmarsches von 2008, dass es durchaus Potenzial in Marzahn-Hellersdorf gibt. Denn innerhalb kürzester Zeit mobilisierten die Neonazis 300 Kamerad_innen zu ihrer Demo trotz interner Konflikte in der NPD. Es gibt nach wie vor ein ausreichend großes Klientel von rechtsoffenen Menschen bis Neonazis im Bezirk und viel zu wenige, die sich antifaschistisch engagieren. Daher sei jede_r dazu aufgerufen: „ihr Denken und Handeln so einzurichten, dass Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts ähnliches geschehe.“ (Theodor W. Adorno)